Dirk Krecker
FLASHBALLS ÜBER ANALOGLANDSCHAFT

Ausstellungsdauer: 19. Januar - 29. Februar 2008
Eröffnung: Freitag, den 18.01.2008 um 20 Uhr


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Pressemitteilung

Wir freuen uns sehr, Sie zur Eröffnung der ersten Einzelausstellung FLASHBALLS ÜBER ANALOGLANDSCHAFT von DIRK KRECKER am Freitag den 18.01.2008 um 20 Uhr in der Galerie Laura Mars Grp. begrüssen zu dürfen.

Die Schreibmaschine ist ein Mythos, ein Abgesang auf eine längst vergessene Epoche. Sie transportiert ein Gefühl. Im Wesen ist sie ein Insekt. Sie wimmelt. Schon als bloßer Gegenstand erzeugt sie ein Bild. Dirk Krecker baut daraus Stück für Stück ein nebelhaftes Rauschen. Er schreibt lose Manifeste, die aus einem technologischen Off heraus über eine mediale Oberfläche gleiten. Sie sind Zeichnung und Datei, handgetippte Telegramme, SMS aus der Vorzeit.

Die Manuskripte sind technologische Feedbacks, und sie erzeugen ihre Vibration vornehmlich jenseits des Beschreibbaren. Sie speisen sich aus einem Universalbewusstsein und surfen neomelancholisch durch ein RetroSpektrum modernistischer Archive. Sie wirken irgendwie unbeteiligt und distanziert, still und staubig.

Trotzdem sind die Blätter "an". Sie sind eingeschaltet wie Monitore. Man hört elektrisches Knistern, das Summen einer Bildröhre, die Töne eines sich einloggenden Modems. Das dünne Papier lädt sich statisch auf, und aus einem Krisseln und Fiepen heraus generiert sich graphisch eine spezifische Dichte.

Was Dirk Krecker tut, ist so etwas wie mediale Archäologie. Er schaufelt sich durch strukturelle und poststrukturelle Landschaften. Ganz ohne Strom erzeugt er pure Spannungszustände auf Din A4. Auf diesem Standard entwirft er quasi mit bloßen Händen eine multimediale Überlagerung. Aus elektronischer Jetztzeit lädt er sich die Bilder und Bezüge runter und macht daraus altmodische Sciencefiction. Mit seiner klapprigen Zeitmaschine aktiviert er das Papier, formatiert es um, schöpft es quasi neu als pseudodigitalen Datenträger.

Dirk Krecker ist romantischer Futurist. Retro-Pionier und Techno-Dandy. Er bewegt sich in einem bewusst nicht zeitgemäßen Underground und kokettiert fast folkloristisch mit modernen Traditionen. Eine energische Hommage an die radikalen Basics. Bürokratischer Aktivismus mit grobem Werkzeug. Das Resultat ist aber fein. Die Briefe duften ein Stück weit nach Nam June Paik. Kommunikation als schlichte Ornamentenflut. Ganz weit weg und in dünner Farbigkeit vom Band wehen sie vorbei in analogen Schleiern. Die Bilder setzen sich von selbst zusammen. Bei aller Schlagkraft bleiben sie zarte Dokumente im Kampf gegen ein allgemeines Verschwinden.

(aus: echo oldschool – the typewriter drawings vol. one, Text: Ingo Gerken, erschienen im Gutleut Verlag)

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Dirk Krecker, geboren 1972 in Frankfurt/Mn. Lebt und arbeitet in Frankfurt/Mn. Studium der bildenden Kunst an der HfG Offenbach und der Städelschule Frankfurt /Mn. (Meisterschüler) bei Prof. Thomas Bayrle. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.