PICTONES

mit Arbeiten von
DAG, Maarten Janssen, Jirka Pfahl, Daniel Pflumm

Ausstellungsdauer: 17. Mai - 14. Juni 2014


LAURA MARS GRP.
Sorauer Straße 3 - 10997 Berlin 
Öffnungszeiten: Di - Fr 13-19 Uhr / Sa 13-17 Uhr


Pressetext

In pictura oder picture steckt auch das englische Verb to pick, das Nehmen von Vorhandenem und das gezielte und genaue Herausgreifen von Details, von Einzeldingen aus einem Gesamtzusammenhang. Ein Kolibri mit seinem spitzen Schnabel weiß, was er zu tun hat, während er auf eine Blüte zusteuert. Er blendet dabei den Umraum aus. Und er holt quasi operativ eine Essenz hervor. Das gezielte Extrahieren einer besonderen Substanz: Das kann auch eine Beschreibung dafür sein, was künstlerische Arbeit ist.

Daniel Pflumm fokussiert sich in seiner Arbeit seit Langem auf Zeichen, Logos und Embleme, die er in Detail-arbeit transformiert, rudimentär verkürzt, archaisiert, in ihrer Signifikanz aufbricht, essentiell umschreibt. Ihn interessiert auch die optische Gestaltungsmacht der Marken, der Insignien einer industriellen oder post-industriellen Kultur, die an die Grenze des Auratischen stossen.

Die Vibration des fliegenden Kolibris und die perspektivisch auseinanderstrebenden Staubfäden evozieren schwingende Bewegungselemente, die in einer eigentümlichen Spannung zu fest umrissenen und ausge-stellten, grafischen Formen stehen.

Bewegtheit, Rhythmus, parallele und sich spiegelnde Elemente enthalten auch DAGs signethafte Tableaus, die unaufdringlich und mit Präzision unterschiedliche Pattern und Strukturmöglichkeiten aufzeigen. DAG arbeitet mit der Piktografie der Vor-Computer-Ära. Einzeltafeln lassen sich beinahe altarmäßig zusammenstellen als Vergegenwärtigung eines Modells der Welt, einer Veranschaulichung quasi gesetzmäßiger Erscheinungsweisen und Ordnungen, die aber nur scheinbar ´einfach´ sind. Stets tauchen Abweichungen als inhärenter Teil von Systemen auf. Ein signifikantes Stottern entsteht, eine schöne Störung des Wohlgeordneten. Störung bedeutet allerdings weniger Gefährdung, als ein weiterführendes, rätselhaftes Element, das über eine mechanische Weltsicht hinausreicht.

Auf ihre Weise modellhaft sind auch Maarten Janssens Arbeiten, die zwei unterschiedliche Systematiken übereinander blenden und miteinander verschränken: Geometrisch-dynamisierte, zum Teil explosiv anmutende malerische Ausformungen verbinden sich mit komplett aufgedeckten Spielkarten, die ihre unverborgenen Eigenweltlichkeiten, ihre historischen und kulturellen Hintergründe zur Verfügung stellen und als reale Grundlage, als Bildträger fungieren: ein Feld aus vielschichtigen Signifikanten und zu Bildzeichen geronnene Personen, Dinge, Attribute. Der Künstler bezieht sich auf eine sinnhafte Welt, in der parallel zur Tatsächlichkeit der Lebewesen und Gegenstände eine Sphäre des Spiels und des spielerischen Umgangs herrscht – eine Sphäre, die stets ein wichtiger Nährboden für Kreativität und Kunst bedeutet.

Wichtig ist auch das Material, aus dem Jirka Pfahls Arbeiten gebildet sind. Sie entstehen durch eine bewusste Reduktion auf wenige formale und materielle Elemente, aus schäbigen, angeschwemmten Hölzern, aus neutralisierten und wertlosen Fundstücken, die – ergraut von der Witterung –  zusammengefügt werden. Diese Kompositionen erweisen sich bei näherer Betrachtung als vielperspektivische Bedeutungs-Passepartouts: die symmetrisch-asymmetrischen, turmartig gestaffelten Formzusammensetzungen können zum Beispiel das Emblem der Leipziger Messe in Erinnerung bringen, ein Symbol für Aufbau und Zerfall, für vergangene Wirtschaftsmacht, für das Scheitern. All das evoziert Pfahl ohne Anklage, ohne Ideologisierung, oder gar Moral, sondern unaufdringlich und beinahe lapidar, wie Treibgut in einem Fluss.

Die Ausstellung Pictones zeigt verschiedenartiges ´Treibgut´ aus unserer visuell-signifikanten und vielleicht schon übercodierten Welt. Und sie wirft einen aktuellen Blick auf das, was Abstraktion bedeutet. Dabei begnügen sich die beteiligten KünstlerInnen allerdings nicht mit einem bloßen Reduzieren auf Formen, sondern veranschaulichen ein treffsicheres Abzielen auf grundlegende Erscheinungen und Erscheinungsweisen von Wirklichkeit.

(Dank an Thomas Groetz)

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PICTONES

with works by

DAG, Maarten Janssen, Jirka Pfahl, Daniel Pflumm

Duration: 17th of May - 14th of June 2014



LAURA MARS GRP.
Sorauer Straße 3 - 10997 Berlin 
Opening hours: Tue – Fri, 1 – 7 pm / Sat, 1 – 5 pm